Wertstromanalyse: Grundlagen, Ablauf und Nutzen
Die Wertstromanalyse (engl. Value Stream Mapping) bildet den Weg eines Produkts vom Lieferanten bis zum Kunden ab: jeden Prozessschritt, jeden Bestand dazwischen und den Informationsfluss, der die Produktion steuert. Das Ergebnis ist eine Karte auf einer Seite, aus der sich Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit und Verschwendung ablesen lassen.
Warum Wertstromanalyse?
In den meisten Fertigungen wird am einzelnen Teil nur wenige Minuten gearbeitet, während es Tage oder Wochen in Beständen liegt. Die Wertstromanalyse macht dieses Verhältnis sichtbar: Sie stellt die Bearbeitungszeit der Durchlaufzeit gegenüber und zeigt, wo Material wartet, warum es wartet und welche Steuerungslogik das Warten erzeugt.
Anders als ein Prozessablaufdiagramm betrachtet sie Material- und Informationsfluss gemeinsam. Erst diese Kombination erklärt, warum Bestände entstehen: etwa weil ein Wochenplan an jeden Prozess einzeln geht und jeder Prozess auf Vorrat produziert.
Ablauf in fünf Schritten
Die Methode nach Rother und Shook („Learning to See“) und Erlach („Wertstromdesign“) folgt einem festen Vorgehen:
- Produktfamilie wählen: Produkte, die ähnliche Prozessschritte auf denselben Ressourcen durchlaufen.
- Ist-Zustand aufnehmen: vom Kunden rückwärts zum Lieferanten gehen, Prozesse mit Datenkasten (Zykluszeit, Rüstzeit, Verfügbarkeit), Bestände zählen, Informationsfluss zeichnen.
- Kennzahlen berechnen: Kundentakt, Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit, Wertschöpfungsanteil, Engpass.
- Soll-Zustand entwerfen: nach Gestaltungsrichtlinien wie Fließfertigung, FIFO, Supermarkt mit Kanban und Schrittmacherprozess.
- Umsetzungsplan ableiten: Maßnahmen mit Verantwortlichem, Termin und Zielkennzahl.
Die wichtigsten Begriffe
- Zykluszeit (ZZ, engl. C/T): Zeit zwischen zwei fertigen Teilen am Prozessausgang.
- Rüstzeit (RZ, engl. C/O): Zeit für den Wechsel von einem Produkt auf das nächste.
- Kundentakt: verfügbare Arbeitszeit pro Tag geteilt durch den Kundenbedarf pro Tag.
- Reichweite: Bestand geteilt durch Tagesbedarf, also wie viele Tage ein Bestand den Kunden versorgt.
- Durchlaufzeit (DLZ): Summe aller Reichweiten und Bearbeitungszeiten entlang des Materialflusses.
- Wertschöpfungsanteil: Bearbeitungszeit geteilt durch Durchlaufzeit; in der diskreten Fertigung meist unter 5 %.
Was eine gute Karte auszeichnet
Eine Wertstromkarte ist kein Layoutplan und kein Arbeitsplan. Sie zeigt eine Produktfamilie, eine Zeitlinie und einen Informationsfluss. Zahlen stammen aus der Beobachtung am Prozess, nicht aus dem ERP-System. Bestände werden am Tag der Aufnahme gezählt, nicht aus dem Lagerbestand gemittelt.
Mit dem Wertstromdesigner entstehen Zeitlinie, Kennzahlen und Plausibilitätsprüfungen automatisch, sobald Prozesse und Bestände verbunden sind. So bleibt im Workshop Zeit für die Diskussion statt für das Rechnen.
Im Wertstromdesigner üben
Öffne die Demo „Lenkungshalter“ und finde die Zeitlinie, den Kundentakt und den Engpass.
Vorlage im Designer öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wertstromanalyse und Wertstromdesign?
Die Wertstromanalyse nimmt den Ist-Zustand auf. Das Wertstromdesign entwirft daraus den Soll-Zustand nach Gestaltungsrichtlinien wie Kundentakt, Fließfertigung, FIFO, Supermarkt und Schrittmacher.
Wie lange dauert eine Wertstromanalyse?
Die Aufnahme einer Produktfamilie dauert typisch einen halben bis einen Tag am Shopfloor, das Soll-Design einen weiteren Workshop-Tag. Die Umsetzung der Maßnahmen zieht sich über Wochen bis Monate.
Brauche ich Software für die Wertstromanalyse?
Die Aufnahme funktioniert mit Papier und Bleistift. Software lohnt sich für die Berechnung der Kennzahlen, den Ist/Soll-Vergleich, die Weitergabe und die Pflege über die Zeit. Der Wertstromdesigner ist kostenlos und läuft im Browser.
Welche Symbole werden verwendet?
Es gibt zwei Schulen: die amerikanische nach Rother/Shook (Prozesskasten, Dreieck für Bestand, Supermarkt, Kanban) und die deutsche nach Erlach (Geschäftsprozesse, Lieferant/Kunde als Fabrik, Transporte). Der Wertstromdesigner bietet beide, umschaltbar.