Taktzeit und Kundentakt berechnen: Formel, Beispiel und Rechner
Der Kundentakt ist die Herzfrequenz des Wertstroms: alle wie viel Sekunden muss ein fertiges Teil die Fabrik verlassen, damit der Bedarf gedeckt ist. Jede Soll-Gestaltung richtet sich an ihm aus.
Kundentakt-Rechner
Formel
Der Kundentakt wird aus der verfügbaren Arbeitszeit pro Tag und dem Kundenbedarf pro Tag berechnet. Pausen und geplante Stillstände werden von der Arbeitszeit abgezogen, Störungen nicht.
Kundentakt, Zykluszeit und Taktzeit
Der Kundentakt kommt vom Markt. Die Zykluszeit ist die tatsächliche Leistung eines Prozesses, gemessen zwischen zwei fertigen Teilen. Liegt die Zykluszeit über dem Kundentakt, kann der Prozess den Bedarf nicht decken; liegt sie deutlich darunter, produziert er auf Vorrat.
Die effektive Zykluszeit berücksichtigt Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Ausschuss: Zykluszeit ÷ Verfügbarkeit ÷ Leistungsgrad ÷ (1 − Ausschuss). Erst sie ist mit dem Kundentakt vergleichbar. Die Taktzeit einer Linie ist die geplante Zeit je Station und wird knapp unter dem Kundentakt gewählt, um Störungen abzufangen.
Häufige Fehler
- Arbeitszeit mit Pausen rechnen: Der Takt wird zu lang, Prozesse wirken schneller als sie sind.
- Bedarf aus dem Produktionsplan statt vom Kunden: Überproduktion fließt in den Takt ein.
- Jahresbedarf durch 365 teilen statt durch Arbeitstage: Der Tagesbedarf wird zu klein.
- Mehrere Produkte ignorieren: Bei Produktfamilien zählt die Summe der Bedarfe, bei unterschiedlichen Zykluszeiten der bedarfsgewichtete Mix.
Im Wertstromdesigner üben
Ändere in der Vorlage „Maschinenbau“ Arbeitszeit und Kundenbedarf und beobachte, welche Prozesse über den Takt rutschen.
Vorlage im Designer öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kundentakt und Taktzeit?
Der Kundentakt ist die vom Markt vorgegebene Zeit je Teil. Die Taktzeit ist die geplante Zeit je Station einer Linie, meist etwas kürzer als der Kundentakt, damit Störungen nicht sofort auf den Kunden durchschlagen.
Wie berechne ich den Kundentakt bei mehreren Schichten?
Alle Schichten addieren, Pausen abziehen: zum Beispiel 3 Schichten à 7,5 Stunden netto = 22,5 Stunden = 81.000 Sekunden pro Tag.
Was tun, wenn die Zykluszeit über dem Kundentakt liegt?
Verfügbarkeit erhöhen (TPM), Rüstzeit senken (SMED), Arbeitsinhalte umverteilen (Operator-Balance) oder parallelisieren. Der Wertstromdesigner zeigt solche Prozesse rot und nennt den Handlungsbedarf.