Wertstromanalyse im Büro: administrative Prozesse abbilden
Die Hälfte der Durchlaufzeit eines Auftrags entsteht oft vor der Fertigung: in Angebot, Auftragserfassung, Konstruktion und Arbeitsvorbereitung. Die Wertstromanalyse lässt sich auf diese Geschäftsprozesse übertragen, mit angepassten Kennzahlen.
Was anders ist
Im Büro fließen Informationen statt Material: Aufträge, E-Mails, Zeichnungen, Freigaben. Bestände sind Postkörbe, Ablagen und offene Tickets. Die Zykluszeit ist die Bearbeitungszeit je Vorgang, die Liegezeit die Wartezeit im Postkorb. Rüstzeiten entsprechen dem Umschalten zwischen Aufgaben.
Vorgehen
- Auftragsart wählen (z. B. Standardauftrag mit Kundenzeichnung) und den Weg vom Eingang bis zur Fertigungsfreigabe verfolgen.
- Je Schritt erfassen: Bearbeitungsdauer, Anzahl offener Vorgänge (Bestand), Beteiligte, Systeme, Fehlerquote (Rückfragen, Nacharbeit).
- Liegezeit je Bestand = offene Vorgänge ÷ Vorgänge pro Tag.
- Informationsfluss: Wer stößt welchen Schritt an, per System, Mail oder Zuruf?
Im Wertstromdesigner
Der Symbolsatz nach Erlach enthält den Geschäftsprozess mit Bearbeitungsdauer in Arbeitstagen und System. Kombinieren Sie ihn oben in der Karte mit den Fertigungsprozessen unten, um die gesamte Auftragsdurchlaufzeit zu sehen. Für reine Büro-Wertströme nutzen Sie Prozesse mit Zykluszeit in Minuten und Bestände als offene Vorgänge; Takt und Zeitlinie rechnen wie in der Fertigung.
Typische Befunde
- Sammelbearbeitung: Aufträge werden einmal täglich oder wöchentlich im Stapel erfasst (Losbildung im Büro).
- Rückfragen und Schleifen: fehlende Angaben erzeugen Nacharbeit, erkennbar als Fehlerquote.
- Freigabestufen: jede Unterschrift ist ein Bestand mit Liegezeit.
Im Wertstromdesigner üben
In der Demo ist die Auftragsabwicklung als Geschäftsprozess mit 2 Tagen Bearbeitungsdauer eingezeichnet. Ergänze Arbeitsvorbereitung und Disposition.
Vorlage im Designer öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zu Makigami oder Swimlane-Diagrammen?
Makigami und Swimlanes zeigen Zuständigkeiten und Abläufe im Detail. Die Wertstromanalyse verdichtet auf Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit und Bestände und macht den Wertschöpfungsanteil sichtbar. Beides ergänzt sich.
Gibt es einen Kundentakt im Büro?
Ja: verfügbare Arbeitszeit geteilt durch Vorgänge pro Tag. Er zeigt, wie viel Zeit je Auftrag zur Verfügung steht, wenn der Eingang gleichmäßig abgearbeitet werden soll.