Wertstromdesign: Die Gestaltungsrichtlinien für den Soll-Zustand
Der Soll-Zustand entsteht nicht aus Kreativität, sondern aus Regeln. Rother/Shook nennen sieben Leitfragen, Erlach zehn Gestaltungsrichtlinien. Gemeinsam ist ihnen: am Kundentakt ausrichten, Fluss wo möglich, Pull wo nötig, einen Punkt steuern.
Die Richtlinien
- Am Kundentakt produzieren: Jeder Prozess arbeitet im Takt, nicht schneller und nicht langsamer.
- Fließfertigung, wo möglich: Prozesse mit ähnlicher Zykluszeit zu einer Zelle koppeln, Bestand dazwischen entfällt.
- FIFO-Bahn, wo kein Fluss möglich ist: begrenzte Menge in fester Reihenfolge zwischen zwei Prozessen.
- Supermarkt mit Kanban, wo FIFO nicht geht: etwa vor Prozessen mit langen Rüstzeiten oder vielen Varianten.
- Einen Schrittmacherprozess steuern: nur er erhält den Kundenauftrag, alles davor läuft per Pull, alles danach im Fluss.
- Nivellieren: Produktmix und Menge am Schrittmacher gleichmäßig verteilen (Heijunka), kleine Freigabeeinheiten (Pitch).
- EPEI verkürzen: Rüstzeiten senken, damit jedes Produkt häufiger gefertigt wird und Bestände sinken.
Vorgehen im Workshop
Beginnen Sie am Kunden: Welcher Prozess soll der Schrittmacher sein? Meist der letzte Prozess vor dem Versand oder die Montage. Von dort nach links: Was kann fließen, was braucht FIFO, was braucht einen Supermarkt? Jede Entscheidung wird mit der Zykluszeit gegen den Takt und mit Rüstzeit und Variantenzahl begründet.
Im Wertstromdesigner setzen Sie den Zustand auf „Soll“, markieren den Schrittmacher, ersetzen Bestände durch Supermärkte oder FIFO-Bahnen und ziehen Pull-Verbindungen. Der Kanban-Rechner dimensioniert Supermärkte, die Prüfungen melden fehlende Regelkreise, der Ist/Soll-Vergleich beziffert den Gewinn.
Typische Ergebnisse
Durchlaufzeiten sinken in Soll-Designs häufig um 50 bis 80 %, weil Bestände zwischen gekoppelten Prozessen verschwinden und Supermärkte begrenzt sind. Die Bearbeitungszeit ändert sich kaum; der Gewinn liegt im Warten.
Im Wertstromdesigner üben
Öffne die Vorlage „Lenkungshalter (Soll-Zustand)“ und prüfe, wo Fließzelle, Supermarkt und Schrittmacher eingesetzt sind.
Vorlage im Designer öffnen Leer startenHäufige Fragen
Was ist der Schrittmacherprozess?
Der eine Prozess, der den Kundenauftrag erhält. Vor ihm wird per Pull nachgefüllt, nach ihm fließt das Material im Takt bis zum Versand. Er bestimmt den Rhythmus des gesamten Wertstroms.
Wann Supermarkt, wann FIFO?
FIFO, wenn der vorgelagerte Prozess dieselbe Reihenfolge fahren kann. Supermarkt, wenn er wegen Rüstzeiten oder vieler Varianten in anderer Reihenfolge oder in Losen produzieren muss.
Wie groß muss ein Supermarkt sein?
Bedarf während der Wiederbeschaffungszeit plus Sicherheitsanteil. Der Kanban-Rechner im Wertstromdesigner berechnet Kartenzahl und Bestand aus Tagesbedarf, Wiederbeschaffungszeit, Behältergröße und Sicherheitsfaktor.